Ein unabhängiger Regulierungsbericht warnt: Die Finanzen des englischen Fussballs sind “gefährlich anfällig”.

Die englische Fussball-Finanzlage ist laut einem wegweisenden Bericht des unabhängigen Regulators gefährlich exponiert. Die Mehrheit der Clubs lebe am Rand einer finanziellen Katastrophe. Die Untersuchung des Regulators ergab, dass 94 Prozent der Clubs Verluste schreiben und mehr als 60 Prozent der EFL- und National-League-Clubs technisch insolvent sind.

Der Regulator (IFR) warnt vor einer «gefährlichen Mischung aus steigenden Schulden und übermässiger Abhängigkeit von Eigentümergeldern, die Clubs und ihre Fans einem Risiko aussetzt». Der Bericht mit dem Titel «State of the Game» zeigt zudem, dass trotz des wirtschaftlichen Erfolgs der Premier League die finanziellen «Abbruchkanten» zwischen und innerhalb der Ligen deutlich gewachsen sind.

Der Bericht hält fest, dass 94 Prozent der Clubs in den fünf höchsten englischen Ligen in der Saison 2025/26 Verluste gemacht haben. 17 Clubs der EFL und der National League würden auch dann Verluste schreiben, wenn ihre Spieler gratis spielen würden. 66 Prozent der Clubs könnten ohne neue Finanzierung durch ihre Eigentümer nicht länger als 90 Tage überleben. 29 Prozent gaben an, ohne solche Mittel nicht länger als 30 Tage durchzuhalten. 68 Prozent der Clubs haben keinen Notfallplan, falls sich ihr Eigentümer zurückzieht.

Der IFR stellt fest, dass «die grundlegenden Fundamente der Pyramide unter enormem Druck stehen und dringende Reformen erfordern». Der Bericht solle für den englischen Fussball «ein Weckruf sein».

«Siebzehn Clubs wirtschaften inzwischen so, dass sie in den Konkurs gehen würden, wenn ihre Spieler gratis spielen würden, weil die übrigen Kosten sie ruinieren würden», sagte IFR-Vorsitzender David Kogan. «Zweiunddreissig Clubs verfügen nur über Barmittel für 30 Tage. Wenn der Eigentümer am Monatsende nicht zahlt, gehen diese Clubs bankrott.

Das ist ein sehr, sehr riskantes Szenario. Jetzt ist der Moment, diese Probleme anzugehen, bevor das Geld versiegt. Wir können das Haus reparieren, solange die Sonne noch scheint, und genau das ist unsere Aufgabe.»

Der IFR soll die finanzielle Nachhaltigkeit der Teams verbessern. Er zeigte sechs Problemfelder im Zusammenhang mit finanziellen Risiken auf und forderte die Clubs auf, solide Notfallpläne für den Fall zu erstellen, dass Eigentümergelder ausbleiben. Trotz jahrelanger Gespräche haben sich die Premier League und die EFL bisher nicht auf eine neue Verteilregelung geeinigt, die der obersten Liga erlauben würde, mehr Geld mit der restlichen Pyramide zu teilen.

Der IFR hat die Befugnis, eine Einigung durchzusetzen. Er warnt: «Wenn der Fussball keine Lösung findet, werden wir über unsere nächsten Schritte entscheiden und zögern nicht, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um dauerhafte Veränderungen herbeizuführen.»

Ausserdem fordert der Regulator Massnahmen gegen die steigenden Verluste. Die Clubs sollen aufzeigen, wie sie die Ansichten ihrer Fans berücksichtigen und welche Schritte sie unternehmen, um die Diversität in den Verwaltungsräten und die Governance zu verbessern.

Der durchschnittliche Premier-League-Club verdient inzwischen mehr als achtmal so viel wie ein durchschnittlicher Championship-Club. Zudem trage das bestehende System der Fallschirmzahlungen, die die Premier League an abgestiegene Championship-Clubs leistet, «zu Anreizen für Championship-Clubs bei, übermässig auszugeben, was die Lohninflation antreibt». Die Nettoschulden aus Transfers steigen, und aufgeschobene Transferzahlungen sowie Transferfinanzierungen schaffen Verbindungen zwischen Clubs, Eigentümern und Geldgebern, was «das Potenzial für finanziellen Stress erhöht, sich im gesamten Spiel auszubreiten».

«In den letzten hundert Jahren hat niemand im Fussball geglaubt, dass sich der Fussball in einem soliden und effektiven Zustand befindet», sagte Kogan. «So hat der Fussball eigentlich nie funktioniert. Aber heute, wo so viel mehr Geld im Spiel ist, werden die Extreme extremer. Wir wussten, dass die Probleme da waren. Ich glaube aber nicht, dass jemand erwartet hat, dass die Daten zeigen würden, wie dramatisch sie tatsächlich sind.»

Die Premier League, die EFL, die Football Association und die Football Supporters’ Association haben alle Stellungnahmen veröffentlicht, in denen sie die Ergebnisse begrüssen.

Clubs verpfänden zunehmend künftige Transfereinnahmen

In den vergangenen fünf Jahren hat sich ein wachsender Trend gezeigt: Clubs verpfänden faktisch Raten künftiger Transferzahlungen, die sie erhalten sollten, und erhalten dafür sofort Geld. Diese «Transferfinanzierung» ist laut Bericht zu einer «zunehmend wichtigen Liquiditätsquelle» geworden.

In der Saison 2020/21 belief sich die Transferfinanzierung auf 55 Millionen Pfund. Bis 2024/25 war sie auf 779 Millionen Pfund gestiegen, also mehr als das 14-Fache. Heute sind rund 1,2 Milliarden Pfund künftiger Transfereinnahmen durch Finanzierungsvereinbarungen bereits monetarisiert, was einem Anstieg von fast dem 22-Fachen gegenüber 2020/21 entspricht.

Im gesamten englischen Fussball liegen die Zahlungen für Transferausgaben etwa beim 3,3-Fachen der Transfereinnahmen. In der Saison 2025/26 meldeten die englischen Clubs rund 4,8 Milliarden Pfund an Transferverbindlichkeiten, aber nur 1,5 Milliarden Pfund an Transferforderungen. Daraus ergeben sich Nettoschulden aus Transfers von rund 3,3 Milliarden Pfund.

Die Lage in der EFL verschlechtert sich

Dem Bericht zufolge verschlechtert sich die finanzielle Situation bei den Clubs der EFL und der National League weiter. Die meisten Clubs der Championship, der League One und der League Two verfügen über weniger als 30 Tage Barmittel. Mehr als 60 Prozent der EFL- und National-League-Clubs haben Verbindlichkeiten, die den Buchwert ihrer Vermögenswerte übersteigen.

Zwanzig Clubs, vor allem in der Championship, der League One und der National League, gaben mehr als 80 Prozent ihrer Einnahmen für Spielerlöhne aus. Die Mehrheit der League-One-Clubs investiert mehr als 40 Prozent der Einnahmen in Löhne, zwei davon sogar mehr als 100 Prozent.

Zwischen 2021/22 und 2025/26 sind die Lohnkosten in allen Ligen gestiegen, und zwar in der Premier League um 33 Prozent und in der Championship um 32 Prozent. Von 18 befragten Eigentümern der EFL-Clubs sprachen sich 17 (94 Prozent) für strengere Kostenkontrollen aus. Ein Investor sagte im Bericht: «Das grösste Problem sind die Spielerlöhne.»

Die durchschnittlichen Verluste in der League One stiegen von 6 Prozent der Einnahmen in der Saison 1992/93 auf fast 50 Prozent in 2024/25. In der League Two liegen sie bei 40 Prozent.

Viele Clubs sind auf eine Finanzierung durch ihre Eigentümer angewiesen, die just in time erfolgt, wobei sie im Verlauf des Jahres immer wieder Geld erhalten. Die Mehrheit der EFL- und National-League-Clubs hat keinen Notfallplan für den Fall, dass ihr Eigentümer nicht mehr in der Lage oder nicht mehr willens ist, den Betrieb zu finanzieren. Das macht sie besonders verwundbar, weil sie nur begrenzten Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen haben.

«Die League One und die League Two werden deutlich mehr Geld erhalten, im Rahmen einer neuen Vereinbarung mit der Premier League», sagte Kogan. «Dieses Geld wird zusammen mit einem Entwicklungsfonds und einem Liquiditätsfonds genutzt, um den Clubs dabei zu helfen, die Hürden zu überwinden, mit denen sie aktuell alle konfrontiert sind.»

Mit Blick auf Liquidität und Zahlungsfähigkeit stellt der Bericht fest, dass viele Fussballclubs «derzeit nicht die Anforderung des Football Governance Act erfüllen würden, angemessene finanzielle Mittel vorzuhalten». Die Clubs müssen diesen Standard bis Mai 2030 erfüllen.

«Die Eigentümer sind sich heute sehr bewusst, dass es eine kohärente Struktur braucht, in der die Kosten gesteuert werden», sagte Kogan. Er fügte hinzu, dass die neue finanzielle Verteilvereinbarung zwischen der Premier League und der EFL kurz vor dem Abschluss stehe.

Die Kluft zwischen der Premier League und dem Rest

Dass die Kluft zwischen der Premier League und der Championship gewachsen ist, dürfte niemanden überraschen. In der Saison 1992/93 verdiente der durchschnittliche Premier-League-Club 10,5 Millionen Pfund, was dem 2,7-Fachen der 3,9 Millionen Pfund des durchschnittlichen Championship-Clubs entsprach. Bis 2024/25 stieg dieser Wert auf 341 Millionen Pfund, also das 8,7-Fache der 38,9 Millionen Pfund in der zweiten Liga.

Auch die Einnahmenkluft innerhalb der Championship hat sich vergrössert, unter anderem wegen der höheren Fallschirmzahlungen. Von der Saison 2007/08 bis 2025/26 stieg die Solidaritätszahlung der Premier League an einen Championship-Club ohne Fallschirmzahlung von 0,9 auf 5,3 Millionen Pfund. Ein Club im ersten Jahr nach dem Abstieg mit Fallschirmzahlung erhielt dagegen eine Steigerung von 12 auf 48,7 Millionen Pfund.

Auch die absolute Einnahmenlücke zwischen den sechs grössten Clubs und dem Rest der Premier League hat sich deutlich vergrössert. In der Saison 1992/93 nahmen die sechs umsatzstärksten Clubs im Schnitt 9,4 Millionen Pfund mehr ein. Bis 2024/25 war diese durchschnittliche Lücke auf 421 Millionen Pfund gewachsen.

Die sechs grössten Clubs erwirtschaften 56 Prozent der Einnahmen der Premier League, die restlichen 14 Teams teilen sich die verbleibenden 44 Prozent.

Bury wurde 2019 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten aus der EFL ausgeschlossen. Es war der erste Club, der seit der Liquidation von Maidstone im Jahr 1992 aus dem Ligasystem ausschied.

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