
Wenn ein Heimteam mit 0:3 in die Pause geht, erwartet man Pfiffe. Doch die Fans von Manchester City standen am Mittwochabend nach dem Pausenpfiff fassungslos da, nachdem sie gesehen hatten, wie ihre Mannschaft von PSG auseinandergenommen worden war.
City spielte nicht auf dem Niveau, das die Mannschaft zeigen kann, doch PSG war schlichtweg gnadenlos. Désiré Doué, Ousmane Dembélé und Vitinha schnitten mit ihren Treffern durch die Abwehr der Citizens. Entschieden wurde der Kampf jedoch im Mittelfeld. Warren Zaïre-Emery ist erst 20 Jahre alt, war aber wie ein Pitbull in der Mitte unterwegs.
Immer wenn PSG mit vielen Spielern nach vorne stiess, wurden Elliot Anderson und Enzo Fernández abgehängt. Obwohl die beiden beim FC Liverpool stark gespielt hatten, wurden sie vom Mittelfeld-Trio der Gäste überrannt. Das bereitete City in der Abwehr grosse Probleme. Die Viererkette wirkte verloren und war der Stärke des PSG-Angriffs ausgeliefert.
Laut FotMob hatte PSG in der ersten Halbzeit zehn Torschüsse (sieben davon aufs Tor), City dagegen sechs (einer aufs Tor). Nach Vitinhas drittem Treffer versammelten sich die Citizens-Spieler in der Mitte des Platzes, um die bisherige Leistung zu analysieren. Die entscheidende Wende brachte jedoch eine kluge Wechselentscheidung von Enzo Maresca in der Pause.
Die Wende nach der Pause
Der Trainer schickte Matheus Nunes, Iliman Ndiaye und vor allem Ayyoub Bouaddi auf den Platz. Obwohl um Bouaddi viel Hype herrscht, hat Maresca ihn bisher nur sparsam eingesetzt. Dass er so eingesetzt wurde, sagt mehr über die Qualität des Kaders aus als über seine Eingewöhnung in England.
Für Rayan Cherki kam Bouaddi ins Spiel, und City stand plötzlich kompakter. PSG fand keine Antwort. Obwohl Bouaddi nur 45 Minuten spielte, spielte er zehn linienbrechende Pässe. Laut FotMob machten nur Marc Guéhi und Anderson mehr davon.
In der ersten Halbzeit dominierte PSG fast alle Statistiken: Expected Goals, Torschüsse, Schüsse aufs Tor und präzise Pässe sprachen für die Gäste. Nach der Pause übernahm City diese Werte. Am deutlichsten zeigte sich das bei den präzisen Pässen. Während City in der zweiten Halbzeit 43 mehr davon spielte, sank die Zahl bei PSG von 241 auf nur noch 134.
Dazu trug Bouaddi im Zentrum massgeblich bei. Seine Heatmap zeigt, wie viel Raum er abdeckte, besonders im offensiven Mittelfeld.
Er misslang nur drei seiner 40 Pässe und bereitete zudem Erling Haalands zweiten Treffer des Abends vor. Das war eine Leistung von höchster Qualität. Aus Sicht von City ist besonders spannend, dass er erst 19 Jahre alt ist. Man stelle sich vor, wie gut er in ein paar Jahren sein könnte.
Eine Lösung für ein grosses Problem
Maresca dürfte bei der Analyse am Donnerstag wenig Grund zur Freude gehabt haben. City verlor trotzdem, und die erste Halbzeit passte nicht zur Einschätzung des Italieners, dass seine Mannschaft auf dem Niveau von PSG spiele.
Dennoch scheint City eine Antwort auf ein grosses Problem gefunden zu haben. Am Sonntag hatte man gesehen, wie stark Cherki sein kann, wenn er Raum zum Agieren bekommt. Gegen Liverpool bestimmte der Franzose die Angriffe und konnte sich frei in jede Richtung bewegen.
Gegen ein Team wie PSG, das das Zentrum mit vielen Spielern überflutet, wirkt er jedoch weniger effektiv. Mit Bouaddi, Anderson und Fernández als drei Mittelfeldspielern lässt sich diese Taktik entschärfen. Sie sorgten für mehr Balance in der Mitte und schlossen die Lücken, die PSG in der ersten Halbzeit ausgenutzt hatte.
In grossen Spielen, in denen City nicht einfach alles kontrollieren kann, könnte es der richtige Weg sein, Bouaddi für zusätzlichen Schutz im Mittelfeld aufzustellen. Wenn City mehr Leistungen wie in der zweiten Halbzeit zeigt, ist die Mannschaft in dieser Saison gut für Titel gerüstet.